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C1-Logo Kolumne von Christian Rödling
C1 Kolumne
Ausgabe 01/2010 vom 05.01.2010

Christian Rödling


Pleitenberge, Pech und Pannen
Selbst beste Kletterer erliegen gern der Versuchung, ihre Heldentaten in einem Licht darzustellen, das natürlich umso verehrungswürdiger leuchtet, je konsequenter all die Pleiten, Pech und Pannen wegretuschiert werden, die aber zum Gesamt-Abenteuer genauso gehören, wie die Wurscht ins Brotzeitfach. Wie man´s aber macht, macht man´s meistens verkehrt, wie uns das Dreamteam Messner/Habeler lehrt, deren Freundschaft angeblich daran zerbrach, weil Peter Habeler in seinem Buch „Der einsame Sieg“ weitererzählte, dass der große Reinhold M. damals vom Habeler höchstselbst wie eine Kuh an der Leine ins Tal geführt werden musste, denn Messner war am Gipfel des Everest schneeblind geworden. Kein unbedeutendes Detail, könnte man meinen, das in Messners eigener Darstellung aber mit keinem Wort Erwähnung findet.

Schade eigentlich, dass sie meist verschwiegen werden, diese verdammten kleinen Missgeschicke, die ihre Größe in der Ehrlichkeit haben, etwas Peinliches oder Unangenehmes zu offenbaren. Etwas, das jedem widerfahren kann. Ich betone: Jedem! Selbst einem so nordwandgegerbten Extremzipfigsicht, wie der Verfasser dieser Kolumne zweifelsohne eins hat (siehe weiter unten).

Und so gehe ich hier mit gutem Beispiel voran und gebe – allerdings nur unter dem Siegel absoluter Verschwiegenheit bitte – auch mal eine solche Begebenheit preis, bei der man vor Scham & Schande puterrot anläuft. Sie geschah am letzten Sonntag, im schönen Achenseegebiet. Herrlich! Irgendwie, es passte alles: Das Wetter. Die Stimmung. Der Schnee. Und genau als es losgeht, muss der C1 leider verkünden, dass er, äh, hüstel, wohl seine beiden Skischuh, ööhm, räusper, tja, zuhause stehen lassen hat...

Glaubt mir: Es gibt keine größere Blamage auf diesem Planeten – und das an einem jener Bilderbuch-Tage, auf den sich alle schon so freuten, weil wir biwakieren wollten: In Holgers nagelneuem Zelt, hoch oben, abseits, im Rofan. Doch damit war jetzt Pustekuchen. Da half alles Jammern nix. Der Tag war gelaufen. Ein Plan B musste her: Und der bestand darin, auf die Höhe zu verzichten – auf die Gaudi aber nicht. Und so wanderten wir zu Fuß (statt auf Skiern) auf einem Forstweg (statt im Pulver) und fanden nach 1 ½ Stunden (und einer Überwindung von ca. 12 Höhenmetern) schließlich ein ebenes Plätzchen, bauten unser Zelt dort auf, rollten die Schlafsäcke aus und richteten die Küche ein...


Holgers Luxus-Biwak-Zelt - C1-Kolumne der Kletterhalle Heavens Gate in München

In der Mitte: Das Gelbe vom Ei. Holgers Luxus-Biwak-Zelt

Holger ist der beste Koch. Am Benzinkocher jedenfalls macht ihm niemand was vor! Seine Spezilität: 1-Topf-Menüs. Zum Löffeln. Im Liegen zubereitet. Mit Stirnlampe serviert: Immer wieder ein Gedicht. Auch in dieser eiskalten Nacht, in der es zum Auftakt, als Antipasti sozusagen, gleich mal Dosen-Weißwürschte gab. Selbiges Wurstwasser kam dann zum Hauptgang wie gerufen, um darin Nudeln heißzumachen. Zur Nachspeise gabs Weingummi, Müsliriegel und Hustenguadl – und dazu natürlich eine gute Zigarre.


Kein Besteck? Hauptsache mit Liebe gemacht! - C1-Kolumne der Kletterhalle Heavens Gate in München

Kein Besteck? Uns doch wurscht! Hauptsache, mit Liebe gemacht.

Zur Verdauungs-Zigarre tranken wir Rotweine aus Flaschen, mit denen wir mehrfach auf Anderl Heckmair anstießen und seinen grandiosen Satz: „Alkohol in Maßen genossen, kann auch in größeren Mengen nicht schädlich sein.“ Naja, ok, dabei heraus jedenfalls kam diese Geschichte, die „mit Schuhen“ wohl niemals erzählt worden wär.


Zwei Nordwandgesichter freuen sich des Lebens - C1-Kolumne der Kletterhalle Heavens Gate in München

Zwei Nordwandgesichter freuen sich des Lebens. Der eine mit Schuhen. Der andere ohne.

Vor ein paar Zeilen wurde behauptet, dass es keine größere Peinlichkeit gibt, als seine Skischuh zu vergessen. Ist natürlich relativ! Um nicht zu sagen: Wär doch gelacht, wenn es zu so einem Malheur nicht noch eine Steigerung gäbe. In diesem Zusammenhang sei ein wunderbares Buch gepriesen, in welchem sich ein paar sehr bekannte Südtiroler Kletter-Haudegen an ihre ganz persönlichen Highlights erinnern*. Und ebenda erzählt einer der wildesten Hunde von seinem allerersten Free-Solo-Versuch, der nicht so verlief, wie es geplant war; schildert, wie er mitten in der Wand nicht nur plötzlich die Konzentration völlig verlor; sondern, als Folge davon, auch die Kontrolle über seinen Schließmuskel! Und es gelang ihm nur noch mit Hilfe des gütigen Bergsteigergotts, sich in allerletzter Hundertstelsekunde in eine Art Bandschlingenhockstand zu retten, sich die Hosen runterzureissen - und dem Darminhalt seinen Lauf zu lassen. Aber damit nicht genug. In seiner schonungslosen Art gibt der Autor weiterhin bekannt, dass er seine Erstbehung dann tatsächlich sogar noch zu einem guten Ende bringen konnte; obwohl er zu all dem flüssigen Elend noch den Schock verkraften musste, kein Klopapier dabei zu haben...

Deswegen: Ein Taschentuch muss immer mit.
Alles andere darf man vergessen. Aber nur 1x!
Sonst wird man vergessen,

verrät Euch
Euer C1

* Klier/Köhler, Wo die wilden Hunde wohnen: Klettergeschichten aus Tirol

Originaladresse: https://2010.kletternmachtspass.de/arc/100105/
© IG Klettern München & Südbayern e.V. und Heavens Gate GmbH.
Letzte Änderung: 12.09.2017