Reinhold Messner – und kein Ende. Um nicht zu sagen: schon erstaunlich, was
man mit 65 noch kann: Heiraten z.B., mit 3 Kindern, 1 Schloss und 3
Museen im Gepäck. Oder: Die ganz die große Keule rausholen – und
nun nicht mehr nur seine Expeditionskameraden, sondern auch die
Granden des Deutschen Alpenvereins in aller Deutlichkeit des
„Rufmords“ beschuldigen. Währenddessen: Mit Joseph Vilsmair in
den Tiefkühlkammern vom Münchner Schlachthof die Hölle vom „Nanga
Parbat“ huberbuamlike fürs Kino verwursten. Soll heißen: Das alte
Südtiroler Schlitzohr hat mit sicherem, kaufmännischen Instinkt den
Film zum Deutschen Schicksalsberg gemacht. Und: Nachdem gerade erst
sein Patagonien-Thriller „Torre“ auf den Markt kam, hat Reinhold
Messner – alles nur in diesem Jahr – gleich noch einen 250 Seiten
Schmöker nachgeschoben, mit dem unwiderstehlichen Titel Westwand.
Und der noch unwiderstehlicheren Fusszeile: Prinzip Abgrund
(1)
Westwand.
Prinzip Abgrund – sein ca. 45stes Buch! Hut ab, irgendwie. Reinhold
Messner mag ein äußerst schwieriger Mensch sein, aber er hat eine
geradezu titanische Kraft, er ist ein „hochbegabter Erzähler“
(SZ). Und: Er ist ein Sichselbstvermarktungs-Genie!
Dabei
gibt es schon auch andere, die es mit Reinhold Messner durchaus
aufnehmen können, in puncto Grenzgang jedenfalls. Einer dieser
Kameraden ist der Inder Harish Kohli, der sich jahrelang auf eine
Hochtour-Extrem-Ski & Kletter-Himalaya-Komplett-Durchquerung
vorbereitete – und dann unter dem Namen „Trans-Himalaya-Expedition“
auch realisierte. Dabei schlug er sich vom Karakorum-Pass aus
startend im Winter auf Skiern in 96 Tagen durch das gesamte, sich auf
über 2.000 Kilometern Länge extrem gefährlich ausstreckende
Himalaya-Gebirge durch, bei Temperaturen bis 50 Grad minus, mit genau
34 Kilo Gepäck auf dem Buckel. Aber damit nicht genug: Da seine
visionäre Route fast durchgängig durch noch nie betretenes Hochland
verlief, musste er eine Vor-Expedition wagen, um zu erkunden, ob und
wie er welche Täler/Pässe überhaupt passieren konnte. Und jetzt
kommt´s eigentlich erst: Bei dieser Vorbereitungs-Tour war Kohli 475
Tage am Stück auf Skiern unterwegs und legte dabei eine Strecke von
8.000 Kilometern zurück. Bis dato die wohl außergewöhnlichste
Expedition im Himalaya, die natürlich genauestens dokumentiert
wurde.
Aber:
Harish Kohli ist halt nun mal kein R. Messner – und heraus kam ein
Buch mit dem schwächlichen Titel „Durch die Eiswelt des Himalaya“
(2); und der Folge, dass quasi niemand in Europa vom Inder Harish
Kohli auch nur eine Ahnung hat. Oder?
Gestatten: Harish Kohli, Indiens Reinhold Messner
Davon unabhängig lässt sich sagen, dass alle, die ein großes Abenteuer
wagen, nicht nur eine Vision vom Gelingen in sich tragen müssen,
sondern auch den starken Glauben, das schier Undenkbare realisieren
zu können.
Womit
wir auch schon bei der Halle angelangt wären, die ja ähnlich zum
Leben erwachte, damals, Ende des letzten Jahrtausends, als sich ein
paar Leute etwas so Verrücktes wirklich vorstellen konnten, etwas,
was andern nicht mal im Traum einfällt. Und so ging´s los, vor über
10 Jahren, am Gurt, mit Eisensägen in der Hand, weil in den Silos
damals noch Silos drin waren, also riesige, schwere Behälter...
...womit
zweierlei gesagt werden soll. Erstens: Wenn sich die IG Klettern
München & Südbayern e.V. mal wirklich was in den Kopf gesetzt
haben, dann gibt´s echt kein Halten mehr. Und: Damit’s kein Halten
gibt, braucht man eben ‘ne Vision. Genau! Und die darf richtig
gaga sein: Wie zum Beispiel mal in nem Zeppelin* Weisswürschte
essen. (Was ja in Wirklichkeit gar nicht so schwer ist. Der Sebi,
Roland, Andy und der Benni jedenfalls würden schon mal die
Weisswürschte stiften. Fehlt nur noch das Luftschiff. Ok. Also:
Weiss jemand eins?)
*Achtung Verwechslungsgefahr: Led Z., englische Hardrock-Kapelle
Kurzum: Visionen bringen die Würze ins Leben.
Und ich bring an Bord den richtigen Senf.
Dream on!
Euer C1
(1) R. Messner, Westwand. Prinzip Abgrund, Fischer
(2) H. Kohli, Durch die Eiswelt des Himalaya, Knaur
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