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C1-Logo Kolumne von Christian Rödling
C1 Kolumne
Ausgabe 04/2010 vom 26.05.2010

Christian Rödling - Vorstand der IG Klettern München & Südbayern e.V.


Wir Kinder vom Bahnhof Ost
Es gibt „so ganz bestimmte Sachen“, die halt nicht mit Jedem gehen! Und mit Jeder leider auch nicht: Diese ehrwürdige Wahrheit kann jede Frau bestätigen, die mit ´nem C mal tanzen war. Mit dem C5! Mit dem C3! Oder eben auch mit mir:

Ich hab nämlich Entenfüße; bin total musik-behindert; kann keinen Mango von einem Walzer unterscheiden; und komm dann vor Aufregung auch noch derart schweisshändig rüber, dass ich schon lang vor der ersten verstolperten Drehung zum besten Beweis der oben angesprochenen These mutiere. Die Folge: Ein ONS! Ein schnelles Ohne Nicken Servus! Passt halt nicht – und wiedersehen!

Ähnliche - äh – Inkompatibilitäten sieht man täglich in der Halle, selbst bei schönsten Kletterpärchen. Da hängt der eine in der Höhe, mit angsterweichten Schlotterknien und fleht um „PAUSE!“ immer wieder. Und? Wie reagiert der Partner unten? Gar nicht! Sondern: Pennt. Bohrt mit der Bremshand in der Nase; spielt mit der andern Fli-Fla-Flu. Welch ein Grauen, so ein Anblick! Oder anders: Welch ein Segen, wenn man davon nie was mitkriegt. Weil man einen sich seiner Verantwortung bewußten Partner unten stehen hat, mit dem halt dann so schöne Sachen wie das Klettern erst ihr Potential entfalten. Und uns dieses „High“ bescheren, diesen glücksbesoffenen Rausch des Friedens, der dem Leben einen Sinn gibt, obwohl das Klettern doch als solches letztlich völlig nutzlos ist. (Noch nutzloser als Walzertanzen). Tja – und dieses komplett sinnlose Tun ist nun zweifelsohne in der Lage, uns in Zustände „wie im Rausch“ zu versetzen: Wunderbare Glücksgefühle sind das, die man täglich haben möchte (= craving), so dass sich manche(r) fragen dürfte, ob man „klettersüchtig“ werden kann?

Dieser interessanten Frage versucht die Gehirnforschung nun mit einem Erklärungs-Modell entgegen zu kommen, das das menschliche Tun & Handeln in Abhängigkeit von der hormonellen Ausrichtung – um nicht zu sagen: Bedürftigkeit – des Agierenden zu deuten versucht. Dabei werden 4 charakteristische Typen unterschieden:


Chemische Verbindung - C1-Kolumne der Kletterhalle Heavens Gate in München

Gerührt oder geschüttelt? Völlig egal! Hauptsache dieses Zeug kommt aus ner Drüse gesprudelt:
Dopamin. Serotonin. Morphin. Oder Adrenalin.

  1. Der Adrenalin-Junkie. Sucht den kurzen, schnellen Kick. Kann den Zustand der Befriedigung selten länger halten.

  2. Der Dopamin-Typ. Braucht eine längerfristige Herausforderung. Empfindet die Genugtuung nicht auf dem Gipfel. Sondern beim zähen Ringen mit sich selbst auf dem Weg dorthin.

  3. Der Serotonin-Typ: Fühlt sich glücklich, wenn er etwas hinter sich gebracht hat. Genießt es danach ganz besonders, mit sich und der Welt im Reinen zu sein.

  4. Der Morphinist: Produziert vermehrt körpereigene Opiate. Diese sorgen dafür, dass alles Negative unterwegs – Schmerzen, Kälte, Entbehrungen usw. – zeitweise ausgeschaltet werden kann. „Quälerei“ ist somit keine Strafe mehr.*

Statistisch gesehen am stärksten vertreten dürfte der polytoxe Typ sein, der sich je nach Situation und Herausforderung mit dem entsprechenden, körpereigenen Drogencocktail selbstversorgen kann. Als wahre Meister dieser Kunstform des Legalen Dopings werden derzeit u.a. die beiden Franzosen Laurent Fabre und Yann Gachet verehrt, die – wie wenn sie Flüüüügel gehabt hätten – mal eben an nur einem Tag (20:28 Std.) über die komplette Haute Route (= normalerweise 7 Tages-Etappen) hinweg gejagt sind!

Wie schön, dass uns zwischen solch unnachahmlichen Leistungen immer auch mal wieder eine Nachricht erreicht, in der sich jede(r) von uns sogleich wiedererkennt. So gestand der erst 16jährige Klettergott Adam Ondra z.B. unlängst vor Zeugen, dass er keinen einzigen einarmigen Klimmzug vormachen könnt. Diese (sympathische) Schwäche wiederum mag der Grund dafür gewesen sein, warum er zur Bewältigung von „Golpe de Estado“ dann auch 29 Versuche gebraucht hat. (Naja, ok, war aber auch ´ne Zwölfminus!)

XII-! Mit 16! Kein richtig großes Wunder also, dass Reinhold Messner eben diesen Adam Ondra und im selben Atemzug Chris Sharma als die zwei „Helden von Heute“ bezeichnet. Das klingt super. Das ist fein. Imponiert uns aber wenig. Denn die wirklich Großen sind die „Helden der Halle“. Und so jemand wird halt nur, wer nen C zum Tanz auffordert.

Hals- und Beinbruch!

Euer

C1

*vgl. DAV, Panorama, Juni 2010, S. 75

Originaladresse: http://2010.kletternmachtspass.de/arc/100526/
© IG Klettern München & Südbayern e.V. und Heavens Gate GmbH.
Letzte Änderung: 03.02.2012