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Der Verein:
IG Klettern
Gefördert von

Kooperation IG Klettern München und Südbayern e.V. mit der Landeshauptstadt München
Der Betreiber:
Heavens Gate GmbH
Helden der Halle / 2
Daxi und die Draufgänger
Oder: Buildering für Fortgeschrittene
Es gibt Leute in der Halle, die sind von Anfang an dabei: Der Sebi z.B., der Roland, der Benni, der HG, die Judith und der Tom sind solche Dinos – und „der Daxi“ eben auch.

Jede(r) kennt den stillen Daxi. Niemand verkörpert den speziellen Geist unserer Halle fotogener als er:


Kletterhalle Heavens Gate - Daxi und das Buildering
Josef „Daxi“ Daxenbichler, 31: Erstbegeher der Heavens Gate Südwest-Verschneidung. (Bislang nicht wiederholt.)

Selten schafft´s mal irgendjemand, seine Berufung zum Beruf zu machen - und damit auch noch Geld zu verdienen. Dem Daxi ist dieses Kunstück gelungen: Hat das, was er am besten kann, zu dem gewählt, wofür er sich am liebsten reinhängen würde – und sich als Industrie-Kletterer selbstständig gemacht. Es liegt in der Natur dieses schönen Berufs, dass man, z.B. um in der Fussgängerzone ein Großplakat aufzuspannen, ein paar Dinge wirklich gut beherrschen muss: Zum Beispiel auf rutschigen Dächern perfekte Standplätze bauen! Alle Knoten selbstverständlich! Zur Not aus Nichts einen Flaschenzug basteln! Selbstsicherung! Abseiltechniken: Alles das in der Regel extremst ausgesetzt. Und solo. Und damit auch allein verantwortlich für jeden winzigen Handgriff, an dem oft mehr hängt als „nur“ das eigene Leben; nämlich irgendeine Last, die ja bitte auch nicht runterdonnern darf.


Kletterhalle Heavens Gate - Daxi und das Buildering
Hat seine Berufung zum Beruf gemacht.


Der Daxi klettert schon sein halbes Leben – und ihm ist noch nie etwas passiert. Obwohl ihm ständig was passiert. Was u.U. damit zusammenhängt, dass der Daxi so zu leben gewohnt ist, wie sich Otto Normal-Sessel-Puper den „Absturz“ vorstellt: Im Sommer in nem Wohnwagen eben. Im Winter auch mal auf der Kultfabrik, im „Ultraschall“ z.B., in einem Kammerl unterm Dach irgendwo, zu dem der Daxi oft außen an der Regenrinne hochkraxelte, wenn die Tür verschlossen war. Und so kam´s mal, wie es halt kommen musste: nämlich in Form der Feuerwehr, die draußen schon das Flutlicht angestellt hatte, eine Hebebühne ausfuhr und übers Megaphon Kontakt aufzunehmen versuchte, weil ein aufmerksamer Bürger einen „Selbstmörder“ oder Einbrecher ausgemacht hatte – der da sein Leben durch einen Absturz riskierte. Und weil man dem Daxi einfach nicht böse sein kann, ließ der Herr E., der Chef des Geländes, fünf Knödel schön gerade sein – und dem Daxi ist, wie immer, wieder einmal nix passiert...


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...irgendwann landen sie alle unter der Brücke!


Wen das Klettern mal richtig gepackt hat, der klettert von da an durchs Leben! Auf Schritt und Tritt. Und überall. Nicht nur in der Halle. Sondern vor allem im Kopf. Man „erkennt“ quasi die Welt bestehend aus Bouldern. Sieht in Seillängen. Die Wahrnehmung der unmittelbaren Umgegung verändert sich dadurch. Das Interesse an Objekten wird ein anderes. Bist Du auch schon so verrückt? Teste Dich! Typische Symptome sind: Deine Augen sind ständig am Klettern. Auch im öffentlichen Raum. Siehst sofort die Schlüsselstellen. Weist Objekten Schwierigkeitsgrade zu. Auf der Fahr in die Arbeit checkst Du vorbeihuschende Steinmauern nach begehbaren Linien ab. Meditierst vor Brückenpfeilern. Liest Wandprofile und -strukturen. Im fortgeschrittenen Stadium prüfst Du schließlich jede Säule, jedes Standbild, jedes Denkmal, jeden größeren Sockel, jeden Kirchturm, jedes Hochhaus, jede Brücke, kurz: ALLES im urbanen Raum auf seine mögliche Begehbarkeit. Und irgendwann ist´s dann soweit – und Du bist reif fürs Buildering: Des Daxis Lieblingsdisziplin!

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Wen es gepackt hat, klettert ununterbrochen.


Buildering, also das Beklettern von Bauwerken im urbanen Raum, hat eine lange Tradition. Und folgt bestimmten Idealen, Verpflichtungen und Spielregeln. Daxi´s Kletterethik beispielsweise verbietet jeden Einsatz von Hammer & Haken bei urbanen Projecten, etwa um Standplätze zu bauen oder künstliche Haltepunkte zu schaffen. Grundsätzlich wird das Objekt in seinem Ist-Zustand besucht – und genau so auch wieder verlassen, ohne jede Narbe oder Spur. Was auch den Einsatz von Chalk untersagt!

Die derzeit bekanntesten Vertreter dieser gerade erwachenden Disziplin sind der Franzose Alain Robert, der zuletzt den 41 Stockwerke hohen Aurora-Tower in Sydney bestiegen hat. Und natürlich Reinhold Messner, der unlängst erst, bei dem Versuch, die Burgmauer von Schloß Juval zu überwinden, derart übelst runterknallte, dass er sich eine ernste Fraktur am Fersenbein zuzog. Der Rest der Szene lebt im dunkeln, ist aber bestens organisiert. 2008 erschien der erste deutsche Builderingführer für die Region Mainz/Wiesbaden. Sogar "Buildering Worldchampionships" wurden schon ausgetragen. Die erste Weltmeisterschaft fand 2006 in Köln statt, 2008 folgte das Revival in Bochum. Die Gemeinde trifft sich auf www.buildering-spots.de. Mit Tipps zur Gesetzeslage, die sich vor allem dann als unlustig darstellt, wenn der Verkehr behindert oder der Denkmalschutz missachtet wird.


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Juristisch gesehen hoffentlich im grünen Bereich.

Um die Schwierigkeit eines Projects besser darstellen zu können, haben der Daxi und seine Kumpels – , zu denen so stadtbekannte Müßiggänger wie der Gabs, der Timo, der Alex, der Andy, der Stefan und der Bruno gehören, – eine Skala entwickelt, die jedem Objekt einen „P-Grad“ zuschreibt, der wiederum die Wahrscheinlichkeit ausdrückt, dass die Polizei bei der Aktion auftauchen wird.

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Immer irgendwie auf der Flucht. Die Vordenker der P-Skala: Daxi, Timo, Alex und Gabs.

Mit P10 etwa – dem Highend der Skala – wird die Amerikanische Botschaft in der Blutenburgstraße eingestuft. Die (aus ethisch-religiösen Gründen noch unbestiegene) Jüdische Synagoge hat P9. Und die knapp 10m hohe Bismarck-Statue an der Brücke vorm Deutschen Museum hat „wegen ihrer Ausgesetztheit“ P8 – und damit genau den Schwierigkeitsgrad, den der Daxi + seine Kumpels gern gehen. Wie vor ein paar Wochen erst, als besagter Fürst von Bismarck nach professioneller Vorbereitung innerhalb von nur 8 Minuten von 5 verschiedenen Leuten bestiegen wurde (, und die Schlüsselstelle übrigens am Ohr oben ist).


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Aktion im Morgengrauen: Schlüsselstelle am Ohr.
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Gipfelglück vorm Deutschen Museum.


Überhaupt das Brückenklettern! Dem einen oder anderen Leser ist ja die Teufelsbrücke bestens bekannt. Von dieser berühmt-berüchtigten Brücke hat sich der Daxi bis dato nicht nur „ungefähr 20x“ in die Tiefe gestürzt, sondern ist auch mehrfach die 40m hohen Pfeiler geklettert, an denen bekanntlich ca. 10 Routen hochführen. Alle im VIII. Schwierigkeitsgrad. Beziehungsweise: inzwischen P7.

Der Daxi hat mal beinah den Reiter an der Wittelsbacherbrücke geschafft. War an der Cornelius- und Reichenbachbrücke erfolgreich. Und hat an der Brudermühlbrücke eine Wintererstbegehung im Auge, genauer gesagt diesen markanten, 8m langen Handriss, zwischen den Grafittis, in der Fahrradunterführung: „Ein total waagrechtes Dach“, schwärmt der Daxi, „mit einer geilen Deckenfuge. Glattester Beton!“ Daneben reizt ihn eine gewisse Fassade am Max-Weber-Platz ganz außerordentlich. Und eine Kathedrale in Frankreich, „aber da ist der Ärger schon vorprogrammiert.“ Und auf Ärger hat der Daxi überhaupt keinen Bock. Insofern wünscht er sich auch nichts sehnlicher, als dass „diese 2 Stunden, draussen in der Natur der Stadt“, während denen man sich und das Leben so intensiv wahrnehmen kann, nur einfach nicht verboten werden. Dass seinen Kumpels kein Unfall passiert. Und ihm, dem Daxi, am besten halt auch nix.




Text: C1


B(u)ilder aus dem Tourenbuch:
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Rechts der Bär. Links der Alex.
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Brückling Bruno.
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Der typische Münchner Wanderer.
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In den Ausstiegsrissen.


Copyright auf alle Bilder bei andy und/oder bruno

Originaladresse: http://2010.kletternmachtspass.de/arc/091215/
© IG Klettern München & Südbayern e.V. und Heavens Gate GmbH.
Letzte Änderung: 03.02.2012