Heavens Gate Banner
Sitemap
Die Halle
Kletterkurse
Kindergeburtstage
Mover's Point
Kletterschmuck
Kletterscheibe,
Kletterturm
Gutscheine
Newsticker
Termine
Die Boulderladder
C1-Kolumne
Helden der Halle
Newsletter
Bilder gucken
Gastro
Kontakt/
Impressum
Der Verein:
IG Klettern
Gefördert von

Kooperation IG Klettern München und Südbayern e.V. mit der Landeshauptstadt München
Der Betreiber:
Heavens Gate GmbH
Helden der Halle / 1
Walking the Line

Vom Heavens Gate zu Günther Jauch -

Die steile Karriere des Hannes Olszewski

Über das Leben – das wahre – läßt sich vieles erzählen. Zum Beispiel, dass es nicht grundsätzlich mit dem Geburtstag beginnt. Sondern sehr oft erst viel später, mit einem Ereignis, das rückblickend wie eine Art Erweckung erscheint.

Johannes Olszewski geschah dies bei einem Kletterkurs (vom DAV übrigens, der, aus welchen Gründen auch immer, im Heavens Gate abgehalten wurde). Am Ende des ersten Kurstages nämlich stand für den Hannes schon fest: „No! Da pass ich absolut nicht rein.“ Womit der Kletterkurs gestorben war. Im Gegensatz zum Heavens Gate, das von diesem Tag an zur 2. Heimat des gerade mal 12jährigen werden sollte.

Hannes trat der IG Klettern bei und tauchte fortan über Jahre fast täglich in der Halle auf. Nach der Schule (in Ottobrunn) ging´s nur noch schnell zum Futtern heim, danach verschwand er Richtung Kunstpark. Kein Wunder also irgendwie, dass er schon bald den Berliner Tom kennenlernte, den HG, den Moe, den Marcel, den Gabriel und noch viele andere Leute mehr, die zur Halle halt gehören wie der Deckel aufs Klo. Und die dem Hannes gleich mal zeigten, wo der Bartel den Boulder-Most holt. Aber damit nicht genug: Sie brachten ihm auch das Klettern gern bei, einfach so, just for fun, was ganz wesentlich auf das Konto eines gewissen Wolfram Schecher geht, der den Hannes monatelang wie ein Ziehvater unter seine Fittiche nahm. Mit dem logischen Ergebnis, dass der junge Kerl bald explodierte - und mit 13, 14 Jahren den VIII. Grad im Vorstieg ging!!

Seine Hauptbeschäftigung aber blieb immer das Bouldern, täglich 5 Stunden, was ihm denn auch den ersten offiziell beglaubigten Marsipulami-Rekord einbrachte. („Marsipulami“ = berühmt-berüchtigter, 56m langer Hallen-Quergang im oberen V. Schwierigkeitsgrad, mit ca. 100 Handwechseln.) Im Jahr 2007 also gelang es dem Hannes, diesen Quergang 7x(!!!) hin- und wieder zurück zu klettern, ohne dabei auch nur ein einziges Mal mit dem Fuss den Boden zu berühren. (Das konnten die Platzhirsche natürlich nicht klaglos verkraften, und eine regelrechte Boulder-Seuche griff um sich, bis der Marcel schließlich mit über 10 Doppel-Passagen die Ordnung wiederherstellte.) Dem Hannes aber war das wurscht. Der hatte inzwischen das Wettkampfklettern entdeckt, machte beim offenen IG-Boulder-Cup mit – und holte sich gleich mal den 1. Platz!

Rückblickend, meint der Hannes heute, gab es in diesen Lehr- und Wanderjahren eigentlich nur 2 wirklich große Probleme für ihn. Problem 1 waren die täglichen Fahrtkosten. Problem 2 war das Hallengesetz, welches besagt, dass Jugendliche unter 14 Jahren nicht ohne Aufsicht ins Heavens Gate dürfen. Problem 1 wurde gelöst, indem es eine Taschengelderhöhung gab. Und an der Lösung von Problem 2 waren die üblichen Verdächtigten beteiligt, die so ein astreines Zipfigsicht wie den Hannes nur zu gerne in ihrer Mitte aufnahmen...

So zogen goldene Zeiten ins Land, bis zu jenem schicksalsschwangeren Tag, an dem der Gabriel erstmals seine neueste Errungenschaft – ein Seil zum Drüberbalancieren – an zwei Säulen diagonal durch die Halle anbrachte. Ganz „zufälligerweise“ war da eben der Hannes zugegen und durfte „ES“ halt auch mal probieren. Dabei geschah wohl Irgendetwas?! Irgendetwas Mächtiges, das ihn in ein anderes System katapultierte, nämlich mitten in die Welt der Slackliner* rein, in der sich all Wünsche und Träume und Sehnsüchte nur noch um das Eine drehen: Nämlich dieses verdammte Balancieren zu lernen, um nicht immer und immer wieder runterzuknallen, von dieser gottverfluchten Line!

* Slacken (Slacklinen, Slacklining) ist eine Trendsportart ähnlich dem Seiltanzen, bei der man auf einem Schlauchband oder Gurtband balanciert, das zwischen zwei Befestigungspunkten gespannt ist. (Quelle: Wikipedia)
Kletterhalle Heavens Gate - Hannes Olszewski - Slacklining
[Bilder zum Vergrößern anklicken!]

Welcome in the Slackliner´s World: Ganz hinten der Hannes

Die ersten Schritte

Ein Sturz von der Line kann harmlos hoch 3 sein. Wenn´s dich aber richtig draufhaut, dann ist das wie ein Peitschenhieb: Im ungünstigsten Fall genau zwischen die Beine, im Normalfall immer schmerzhaft. Und so kam es, dass der Hannes auf dem Schulhof mal vom Vertrauenslehrer angesprochen wurde, ob man ihm nicht helfen könnte, denn es sei doch offensichtlich, dass er – äääh, hmm, räusper –ja wohl bös geschlagen würde...

Dabei trainierte er nur mit eiserner Disziplin auf den Sinn und Zweck des Slackens hin, genauer gesagt auf das Erlernen der 3 Grund-Figuren – Stehen, Umdrehen, in die Knie gehen –, die er schlussendlich so gut beherrschte, dass die Zeit reif war, die erste Highline* zu spannen! Dies tat er mit seinem Kumpel, dem Michi, in einem Park, zwischen 2 Bäumen...

Kletterhalle Heavens Gate - Hannes Olszewski - Slacklining
*Highlines sind in einigen Metern bis zu mehreren hundert Metern Höhe angebracht, so dass ein einfaches und gefahrloses Abspringen nicht mehr möglich ist. Hierbei spielt nicht nur die Fähigkeit, das Gleichgewicht zu halten, eine Rolle, sondern vor allem bei den sehr hohen Lines kommt die psychische Komponente dazu, über einen Abgrund zu laufen. Beim Bau von Highlines ist die Kenntnis der wirkenden Kräfte und die Dimensionierung der Befestigungen essentiell. (Quelle: Wikipedia)

Fortan gab es quasi kein Wochenende mehr, an dem die Burschen nicht unterwegs waren, die Lines immer länger und die Abgründe immer heftiger wurden. Und zwischen den Wochenenden? Trainieren wie blöd! Täglich mindestens 2-3 Stunden: Drehen. Knien. Wippen. Schwingen. Springen. Landen. Stehen. Lang hinlegen. Aufrichten. Weitergehen. Drehen. Knien usw. – dies alles in einer unendlichen Schleife, was den Grad von Autismus oder Wahnsinn oder Besessenheit oder Leidenschaft oder Berufung oder Genie oder Whatever andeutet, über den man halt verfügen MUSS, um sich Herausforderungen stellen zu können, die Normalos gern als „krank“ bezeichnen. (Wie z.B. die 500m hohe, stark überhängende, extrem brüchige Diretissima an der Großen Zinne komplett ohne Sicherung zu klettern, was ja bekanntlich Alex Huber gelang...)

Kapuzenturm

Alex Huber war es auch, der das Highlinen hierzulande in das Bewußtsein einer breiteren Öffentlichkeit brachte – indem er typischerweise gleich mal einen Meilenstein setzte. Alex Huber spannte vom höchsten Punkt im Wilden Kaiser, von der Ellmauer Halt, eine 17m lange Highline zum Kapuzenturm rüber. Die Sicherung: Ein Bauchgurt und eine am Rücken angebrachte Schlinge, die mit einem Karabiner an der Line eingehängt ist. Fertig. Nun musst du „nur“ noch mit den Windböen klar kommen. Und mit dieser grauenhafte Tiefe, die dich ansaugt wie verrückt.

Kletterhalle Heavens Gate - Hannes Olszewski - Slacklining
Kapuzenturm – Ellmauer Halt. Hannes, bei der 3. Wiederholung der Alexander-Huber-Line.

Unglaublich! Mit 15 Jahren schon den Kapuzenturm im Sack. Und nun? Mussten neue Ziele her: Irgendein Project, das dem Wahnsinn noch eins draufsetzt! Höher! Irrer! Schwieriger sollte diese neue Line sein. Und die Idee für die Aktion? Lieferte keine Geringerer als James Bond persönlich. Das heißt: Im Fernsehen lief gerade „In tödlicher Mission“, da hatte der Hannes eine Vision – um nicht zu sagen: die totale Erkenntnis, dass die außergewöhnliche Landschaft, in der dieser Film spielt, genau die Kulisse für das Project lieferte, das das nächste wilde Kapitel in Hannes´ jungem Leben sein sollte: Meteora! Das war die Idee. Dort musste er hin, koste es ihn, was es wolle...

Meteora

Meteora liegt am Griechischen Festland und ist wegen der vielen Klöster bekannt. Diese Klöster schmiegen sich wie Vogelnester in eine Welt aus Fels und Stein, die so einzigartig ist, dass sie den James Bond-Produzenten als perfekter Hintergrund für eine wilde Verfolgungsjagd (im Hubschrauber) diente: hohe Türme, steile Abbrüche, gewaltige Schluchten - kann es bessere Voraussetzungen geben, um dort eine Highline zu spannen, die alles Bisherige in den Schatten stellt?! Geradezu besessen von dieser neuen Herausforderung konzentrierte sich sein Denken und Tun nun vor allem um die Frage, wie man die Line denn dort überhaupt spannt? (Was in Meteora u.a. mit einem 300m-Seil gelöst wurde. Ok. Aber: Wie kommt das Seil zum Fixpunkt rüber? Da darf jeder jetzt mal tüfteln...)

Kletterhalle Heavens Gate - Hannes Olszewski - Slacklining
Meteora. Hannes unterwegs auf „For your Eyes only“.
Kletterhalle Heavens Gate - Hannes Olszewski - Slacklining
Wird mit jedem Schritt immer bekannter: Der Hannes aus´m Heavens Gate.

Was für den Kletterer das Tourenbuch ist, ist für die Gemeinde der Slackliner das Webforum, wo jedes Abenteuer minutiös beschrieben und mit Fotos und/oder Videoclips dokumentiert wird. Und die Line aus Meteora schlug dort natürlich mächtigst ein! Wurde zum Gespräch schlechthin. So kam es, dass bald auch Außenstehende von der Aktion erfuhren, darunter Leute vom Fernsehen, die schließlich an den Hannes rantraten und ihm eine Kamera in die Hand drückten, mit dem Auftrag, das nächste Project doch bitte exklusivst auf Film zu bannen. Denn die wilde Fahrt ging weiter: Mit dem Bernhard, in die Mord-Wand...

Kletterhalle Heavens Gate - Hannes Olszewski - Slacklining
Mr. Slackline himself, Bernhard Witz, 27, links vom Hannes.

Es war im Jahr 2008, auf einem Fest in Radolfszell, wo ihn der Hannes kennenlernte: Bernhard Witz, Schweizer, 27, einer der bester Slackliner Europas und weltweit unter den Top 10! „Wenn ich der Intuitive bin“, sagt der Hannes, „der alles aus dem Bauch raus macht, dann ist der Bernhard das genaue Gegenteil: bis in die letzte Faser durchorganisiert.“ Ideale Voraussetzungen also nicht nur für Synergie-Effekte, sondern auch um die wirklich großen Dinger zu drehen. Und so ist es auch kein Wunder, dass der Hannes zu dem handverlesenen Trupp gehörte, den der Bernhard für das bis dato ultimative Project rekrutierte: Eine Highline in der Eiger-Nordwand! Niemand weiß, was der Anderl Heckmair dazu gesagt hätte, hier, im Heavens Gate jedenfalls, glaubten viele, da hat einer nicht mehr alle Tassen im Schrank: Eine Line am „Magic Mushroom“? Hä? So ein Käse: Welcher Schwammerl überhaupt?

Der Magic Mushroom

Kletterhalle Heavens Gate - Hannes Olszewski - Slacklining
Pilzkunde für Anfänger: Die beiden Extremalpinisten Roger Schäli (Schweiz) und Christoph Hainz (Italien) eröffneten im Jahr 2007 in der Eiger Nordwand eine neue Route (= Nr. 32/Name: „Magic Mushroom“, 6oom, 20 Seillängen, 7c+)
(Bild: Wikipedia)
Kletterhalle Heavens Gate - Hannes Olszewski - Slacklining
Der berühmte Stein-Pilz (in 3.219m Höhe) am rechten Rand der Eiger-Nordwand. Letzte Seillänge von „Magic Mushroom“. Von hier führt auch der schnellste Weg direkt bis zum Wandfuss runter (= 1.000 Höhenmeter freier Fall).

Die Magic Mushroom-Line

Der Stein-Pilz in der Eiger-Nordwand: Nicht nur die besten Kletterer zieht er seit Jahren magisch an. Sondern versetzt wegen seiner exponierten Lage, seiner relativ einfachen Erreichbarkeit (mittels eines Geländerseil vom Rand der Westflanke aus) und vor allem wegen seines bequemen, ebenen Dachs speziell die Base Jumper in Rauschzustände. Und bringt einen wie den Bernhard eben auf die Idee, von hier aus eine Line zu spannen, wie sie die Welt noch nicht gesehen hat: Eine Highline in der Eiger-Nordwand! Mit 1.000 Meter Luft unterm Arsch! Heißt: Ein Sturz oder ein Fehler kann das Ende bedeuten, darüber sind sich alle Beteiligten klar: „Alle“, das sind der Bernhard, der Roland Schlott und der Hannes, die sich im Spätsommer 2009 vier Tage lang an der Westflanke einnisten – um von dort aus (mit Reto Graez und Jonathan Baumann) die Aufbauarbeiten zu koordinieren.

Kletterhalle Heavens Gate - Hannes Olszewski - Slacklining
Das Headquarter an der Westflanke.

Das Wetter ist gut in diesen Tagen. Aus der Nordwand suppt zwar ab Mittag ein konstanter Nebeldampf über die Kante, aber davor sind die Sicht, der Wind und die Verhältnisse insgesamt derart vorzüglich, dass sich auch der eine oder andere Base Jumper einfindet, um sich durch einen Sprung in die Nordwand mal schnell einen Kübel Adrenalin reinzuziehen. (Besonders ausgehungert diesbezüglich schien der berühmte Dean Potter zu sein, der sich an ein und demselbem Vormittag gleich 2x vom Stein-Pilz in das Grauen reinstürzte, das heißt: die 1.000 Höhenmeter über die Westflanke auch an einem Vormittag 2x hochgerannt kam...)

Kletterhalle Heavens Gate - Hannes Olszewski - Slacklining
Dann ist die Stunde für den Hannes gekommen...
Kletterhalle Heavens Gate - Hannes Olszewski - Slacklining
...und schließlich Bernhard Witz persönlich: Am 15.08.2009, free solo in der Eiger-Nordwand!
Kletterhalle Heavens Gate - Hannes Olszewski - Slacklining
Magic Moments am Magic Mushroom: Vorne B. Witz, hinten Dean Potter.

Fazit: Stehen. Gehen. Drehen lernen!

Was ist der tiefere Sinn solcher Aktionen? Die Antwort ist: Kein Mensch kann das sagen!

Auch der Hannes immer noch nicht, trotz der Erfahrung von inzwischen weit über 100 Stürzen in das Grauen unter sich. Verbunden mit dem Überleben, das jedesmal wie eine Wiedergeburt ist. „Wenn du lange in einen Abgrund blickst, blickt der Abgrund auch in dich“, sagt Friedrich Nietzsche – und vielleicht kann der eine oder andere von uns Normalsterblichen ahnen, welch tiefe Erkenntnis hinter diesen Worten steckt. Rätselhaft bis unverständlich bleibt trotz alledem, was einen jungen Menschen wie den Hannes zu so unglaublichen Mutproben treibt? Diese Frage beschäftigte auch Günther Jauch – und so kam es, dass der Hannes am 09.09.2009 als Star-Gast im Stern-TV auftreten und vor einem Millionenpublikum seine Geschichte vom Eiger erzählen durfte. Dabei nahm er den Herrn Jauch an der Hand – und geleitete ihn vor der Kamera über eine 20cm hohe Line: Stehen. Gehen. Drehen. Die Grundfiguren, die es im Leben zu erlernen gilt, sind doch letztlich immer die Gleichen! Egal, ob am Eiger. Oder im Studio. Und wie du sie lernst, ist auch nicht so wichtig. Das kann auch beim Tanzen sein. Oder auf Schlittschuhen. „Wichtig ist nur, dass du alles dafür gibst. Alles! Verstehst du, Mann: ALLES!“


Text: C1


Kletterhalle Heavens Gate - Hannes Olszewski - Slacklining
Haben alles richtig gemacht: Bernhard, Roland und der Hannes, mit dem etwas anderen Pilz im Gepäck.

Copyright auf alle Bilder: Johannes Olszewski und/oder Henning Maier-Jantzen


Originaladresse: http://2010.kletternmachtspass.de/arc/091111/
© IG Klettern München & Südbayern e.V. und Heavens Gate GmbH.
Letzte Änderung: 03.02.2012